Vor Kurzem schrieb mir eine Freundin, dass sie dieses Weihnachten nicht bei ihren Eltern verbringen möchte, wie sie das seit Jahren immer gemacht hatte. Sie will stattdessen mit ihrem Freund in Urlaub fahren.

Aber als sie das ihren Eltern sagte, fand sie bei ihnen keinerlei Verständnis für ihren Wunsch. Sie sah sich einem enormen Erwartungsdruck ausgesetzt und litt sehr unter der Situation. Sich abgrenzen – das fiel ihr dadurch sehr schwer.

Als sie mir das schrieb, konnte ich sie bestens verstehen.

Ich kenne das sehr gut, dass es einem unglaublich schwer fallen kann, sich von den Erwartungen anderer abzugrenzen.

Einfach zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen und das zu tun, was man selbst für richtig hält, wenn man das, was andere von einem erwarten, nicht tun will – das kann wahnsinnig schwer sein.

 

Wir können es nicht allen Recht machen

 

Früher ging es mir regelmäßig so. Sei es in der Familie, im Orchester, in dem ich jahrelang gespielt habe, in der Schule und sogar in meinem Freundeskreis.

Ich glaubte, die Erwartungen anderer immer erfüllen zu müssen. Und wenn ich das mal nicht wollte, fühlte ich mich innerlich wie zerrissen.

Ich hatte das Gefühl, egal was ich tue, wie ich mich auch entscheide, es ist falsch und irgendjemand wird enttäuscht sein. Entweder die anderen – oder ich selbst.

Wie ich es auch drehte, ich konnte nicht alle gleichzeitig glücklich machen. Oder zumindest nicht alle anderen und gleichzeitig auch noch mich selbst. 

Irgendjemanden musste ich verletzten oder enttäuschen. Und in solchen Situationen litt ich immer Höllenqualen.

Doch wir können es nicht allen recht machen. Wir können niemals die Bedürfnisse aller gleichzeitig bedienen. Und erst recht nicht, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse auch ernst nehmen wollen.

Warum es ein Geschenk für dich und dein Umfeld ist, wenn du dich abgrenzen kannst

 

Klingt das frustrierend in deinen Ohren, dass wir es nicht allen Recht machen könne?

Ja, im ersten Moment scheint das eine ernüchternde und frustrierende Wahrheit zu sein.

Gerade wenn du ein Mensch bist, der gerne alle in seinem Umfeld glücklich machen möchte. Und der es schwer aushält, wenn ein Mensch in seiner Nähe unglücklich ist.

Doch im Grunde ist gar nichts Schlimmes daran, dass wir nicht die Erwartungen aller erfüllen können. Ganz im Gegenteil, es ist sogar etwas ganz Wundervolles.

Denn wenn wir nicht alle gleichzeitig glücklich machen können, dann müssen wir es auch nicht. 

Und dass es sogar ein Geschenk für dich und dein Umfeld ist, wenn du damit aufhörst, immer alle glücklich machen zu wollen und lernst, dich abzugrenzen, dafür gibt es 8 gute Gründe.

Und die zeige ich dir jetzt.

 

1. Niemand kann deine Bedürfnisse so gut vertreten wie du selbst

 

Deine Bedürfnisse sind genau so wichtig wie die der anderen. Verrückt, oder?

Ja, aber so ist es. Du bist genau so wichtig wie die Menschen in deinem Umfeld und das Gleiche gilt auch für deine Bedürfnisse. 

Aber du bist die einzige, die sich auch wirklich gut für deine Bedürfnisse einsetzen kann, weil niemand sie so gut kennt wie du. Niemand weiß so gut wie du, was du brauchst, damit es dir gut geht und du glücklich bist.

Niemand außer dir kennt alle deine tiefsten Wünsche und Bedürfnisse.

Du bist diejenige, die ganze genau weiß, was für dich und dein Leben richtig ist. Also ist es ganz wichtig, dass du für dich selbst einstehst und das tust, was sich für dich richtig und stimmig anfühlt.

Gleichzeitig wird sich auch niemals jemand so für dich und deine Bedürfnisse einsetzen, wie du es selbst tun könntest, wenn du dich voll und ganz ernst nehmen würdest. 

Weil jeder, auch der edelste Ritter, auch eben seine eigenen Bedürfnisse hat. Und um die muss und wird er sich ja auch kümmern.

Und wenn seine Bedürfnisse mal mit deinen kollidieren – tja, dann könnte es schlecht für dich aussehen.

Dich abgrenzen von den Erwartungen anderer und dich für deine Bedürfnisse einsetzen ist also wichtig. Nicht nur, weil niemand sie so gut kennt wie du. Sondern auch weil niemand sie so gut vertreten und verteidigen kann wie du selbst.

 

2. So wie du dich selbst behandelst, so behandeln dich auch die anderen

 

Die Art und Weise, wie wir von anderen Menschen gesehen und behandelt werden, spiegelt uns immer direkt, wie wir uns selbst sehen und behandeln.

Wenn du dich selbst nicht ernst nimmst, dann werden auch andere das nicht tun. Und wenn du dich und deine eigenen Bedürfnisse nicht respektierst – nun ja, dann werden andere das wohl auch nicht tun.

Nur wenn du dich selbst ernst nimmst und respektierst, werden auch die Menschen in deinem Umfeld dich auf diese Weise behandeln. Denn das, was du über dich selbst denkst, trägst du wie ein großes Schild vor dir her.

Und wenn auf diesem Schild steht “Ich bin nicht wertvoll und es ist nicht wichtig, was ich will”, dann nimmt dein Umfeld das ganz unbewusst wahr und wird dir dementsprechend begegnen.

Wenn du also willst, dass andere dich und deine Bedürfnisse respektieren, musst du selbst damit anfangen und dich abgrenzen, wo es nötig ist. 

Du wirst sehen, dass sich ein Wandel deiner inneren Haltung peu à peu auch im Außen zeigen wird. Und die Menschen werden dir anders begegnen.

Behandle dich also selbst mit Achtung, Wertschätzung und Respekt, dann werden es auch andere tun.

 

3. Wenn du deine Bedürfnisse unterdrückst, werden sie irgendwann rebellieren und ausbrechen

 

Jedes Mal, wenn du gegen deine eigenen Bedürfnisse handelst, unterdrückst du einen wichtigen Teil von dir.

Und so wie es mit allem ist, das unterdrückt wird: Irgendwann, wenn es die Unterdrückung nicht mehr hinnehmen kann, wird es ausbrechen.

Und dass dieser Ausbruch dann nicht immer sanft, ruhig und liebevoll vonstatten geht, dürfte auf der Hand liegen.

Alle deine Bedürfnisse haben einen guten Grund. Sie existieren nicht aus Willkür oder weil sie dich ärgern wollen.

Nein, sie sind da, weil sie dir dabei helfen wollen, dir ein Leben zu erschaffen, mit dem du wirklich glücklich und zufrieden bist.

Sie leiten dich quasi direkt zu dem Leben, das dir und deinem Wesen wirklich entspricht. Und das, was sie fordern, ist wichtig.

Ihre Forderungen werden nicht nachlassen, wenn du sie unterdrückst.

Eines Tages werden sie aus dir herausbrechen. Und es kann sein, dass das dann auf eine Weise geschieht, die dir und anderen weh tut. Oder sonstigen Schaden anrichtet.

Zum Beispiel wenn du immer wieder deine Eltern besuchst, obwohl du keine Lust mehr darauf hast. Dein unterdrücktes Bedürfnis nach Abstand wandelt sich dann womöglich in Wut.

Und diese wird sich dann entweder dadurch äußern, dass du schnell genervt oder gereizt bist und du unfreundlich und ungeduldig reagierst. Oder du explodierst irgendwann und sagst Dinge, die du hinterher bereust.

So oder so, das Unterdrücken deiner Bedürfnisse schadet dir und auch deinem Umfeld. Weil das, was du unterdrückst, sich auf irgendeine Weise bemerkbar machen wird.

Gib deinen Bedürfnissen Raum und schenke ihnen deine Aufmerksamkeit. Dann müssen sie sich nicht auf irgendeine destruktive Weise Gehör verschaffen.

 

4. Wenn du ja sagst, obwohl du Nein meinst, spürt dein Umfeld das

 

Wenn du etwas für einen anderen Menschen tust, obwohl du es eigentlich nicht tun willst, wird der andere es auf die ein oder andere Weise auch spüren.

Vielleicht ist es ihm nicht vollkommen bewusst. Aber es wird bei ihm ankommen.

Hast du das selbst schon mal erlebt, dass jemand etwas für dich getan hat und du hast gespürt, dass er eigentlich keine Lust darauf hatte oder viel lieber etwas anderes machen wollte?

Ich kenne das sehr gut, weil es mir mit meinem Exfreund oft so ging. Und ich finde dieses Gefühl ganz furchtbar.

Deswegen ist es mir heute so wichtig, dass niemand etwas für mich tut, wenn er es eigentlich nicht tun will. Weil ich dieses Gefühl, dass ich so oft in meiner früheren Beziehung erlebt habt, nicht mehr fühlen möchte.

Und weil ich dieses unschöne Gefühl so intensiv auskosten durfte, weiß ich heute ganz genau, dass wir den anderen keinen Gefallen tun, wenn wir gegen unsere Bedürfnisse handeln.

Vielleicht verdrängen sie dieses Gefühl oder lassen es nicht an sich heran. Doch unbewusst kommt es auch bei ihnen an und es verleiht deinem Ja einen unangenehmen Beigeschmack.

5. Nur wer ehrlich Nein sagt, kann auch ehrlich und aus ganzem Herzen Ja sagen

 

Als ich angefangen habe, mich darin zu üben, mich von den Erwartungen anderer abzugrenzen und auch mal Nein zu sagen, habe ich etwas sehr erstaunliches erlebt.

In dem Moment, wo ich mir selbst erlaubt habe, Nein zu einem Wunsch oder einer Erwartung zu sagen, konnte in mir etwas aufatmen. Ein Teil von mir hat gespürt, dass er endlich gehört wird.

Und manchmal hat es schon genügt, dass ich Nein gesagt habe, um diesen Teil in mir zufrieden zu stellen. Und plötzlich konnte ich wieder Ja sagen – und zwar aus ganzem Herzen.

Hätte ich Ja gesagt, ohne mir vorher auch das Nein zuzugestehen, wäre es ein halbherziges Ja gewesen, quasi ein Ja wider Willen.

Und wie gesagt, es wäre beim anderen angekommen. Und ich selbst wäre auch unglücklich damit gewesen.

Doch jetzt, wo ich mir das Nein erlaubt hatte, war das Ja keine Muss mehr, keine Verpflichtung. Ich hatte mir selbst die Freiheit geschaffen, zu wählen. Und so konnte ich mich auch voller Freude für das Ja entscheiden.

Und wie du dir vielleicht denken kannst, war das nicht nur für mich viel schöner. Sondern auch für den Menschen, dem ich mein Ja geschenkt habe – absolut freiwillig und aus ganzem Herzen.

Dich abgrenzen zu können wird dadurch nicht nur für dich, sondern auch für dein Umfeld zu einem Geschenk.

 

6. Sich abgrenzen schafft Vertrauen und macht dein Ja erst so richtig wertvoll

 

Wenn du lernst, Nein zu sagen und es dir immer öfter gelingt, wird irgendwann dein gesamtes Umfeld wissen, dass du es sagst, wenn du etwas nicht willst.

Vielleicht macht dir das jetzt noch Angst, weil deine Vorbehalten dagegen noch groß sind.

Doch das Gute daran ist, dass alle Menschen in deinem Umfeld dann wissen werden, dass du, wenn du Ja sagst, auch wirklich Ja meinst.

Selbstliebe lernen kostenloses E-BookSie wissen dann, dass sie sich auf das, was du sagst, verlassen können. Und dass sie sich keine Sorgen darum machen müssen, ob du das, was du (für sie) tust, auch wirklich tun willst.

Gleichzeitig wird dein Ja auch viel wertvoller. Denn wer hin und wieder auch mal ein Nein von dir zu hören bekommt, der freut sich umso mehr darüber, wenn er ein Ja von dir bekommt. 

Er weiß es einfach viel mehr zu schätzen, als wenn es eine Selbstverständlichkeit ist.

 

7. Wenn du dich abgrenzen kannst, wird es auch deinem Umfeld viel leichter fallen, sich abzugrenzen

 

Wenn wir Zeit mit Menschen verbringen, die ein bestimmtes Verhalten gut heißen und uns vorleben, dann wissen wir, dass wir uns selbst in ihrer Gegenwart auch so verhalten dürfen. Wir wissen, dass sie es gut heißen und uns nicht dafür verurteilen.

Und so ist es auch beim Nein sagen und Sich abgrenzen.

Wenn wir bei anderen Menschen erleben, dass sie sich gut von den Erwartungen anderer abgrenzen können und es ihnen leicht fällt, Nein zu sagen, spüren wir unbewusst die Erlaubnis, auch selbst so handeln. 

Ihr Vorbild zeigt uns, wie wir es anders machen können und sagt uns gleichzeitig, dass auch wir uns so verhalten dürfen.

Wenn du selbst lernst, Nein zu sagen und dich abzugrenzen, wirst du selbst zum Vorbild für andere – und zur Erlaubnis.

Die Mensch in deinem Umfeld können sich ein Beispiel an dir nehmen und du vermittelst ihnen unbewusst durch dein Verhalten, dass es okay ist, sich abzugrenzen.

Dieser Mechanismus gilt natürlich auch anders herum. Denn wenn wir es uns nicht erlauben, Nein zu sagen, spüren die Mensche in unserem Umfeld das auch.

Wir zeigen es ihnen durch unser Verhalten und es wird ihnen dadurch viel schwerer fallen, auch selbst mal Nein zu sagen.

Wenn du also lernst, dich von den Erwartungen andere abzugrenzen, tust du nicht nur dir selbst einen riesen Gefallen damit. Du machst auch den Menschen in deinem Leben ein Geschenk. 

Denn du hilfst ihnen dadurch indirekt, zu ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen und selbst zu lernen, Nein zu sagen.

Und dich abgrenzen zu lernen bekommt dadurch eine noch größere Relevat.

 

8. Am Anfang fällt es schwer, sich abzugrenzen, doch mit der Zeit wird es immer leichter

 

Kennst du Menschen, die mit Leichtigkeit zu dem stehen, was sie wollen und was nicht und die es auch noch hinbekommen, das so zu kommunizieren, dass sich niemand dadurch auf die Füße getreten fühlt?

Mich beeindrucken solche Menschen immer wieder und sie erinnern mich gleichzeitig daran, dass es auch einen schönen Weg gibt, sich von den Erwartungen anderer abzugrenzen.

Das muss nicht hässlich und unangenehm laufen. Und erst recht muss es kein Kampf sein.

Aber wenn wir diese Fähigkeit als Kinder verlernt haben, dürfen wir uns als Erwachsene erst wieder darin üben. Und am Anfang wird es wahrscheinlich nicht so reibungslos und elegant aussehen wie bei den Profis.

Denn alles, was wir zum ersten Mal machen, fällt uns schwer und uns fehlt noch vollkommen die Übung. Aber die kommt mit der Zeit und dann wird es auch immer leichter.

Und wenn du dran bleibst, nicht aufgibst und es immer wieder versuchst, dann kannst du auch irgendwann so ein Mensch sein, dem es leicht fällt, Nein zu sagen und der das sogar auf eine freundlich und wertschätzende Weise rüberbringt.

Und das Schöne an diesem Prozess des Übens ist, dass du mit jedem Mal, wo es klappt und du dich abgrenzen kannst, wo du aussprichst, was du willst und was dir wichtig ist, innerlich ein Stückchen wächst. Du wirst dich mit jedem Mal ein bisschen stärker, souveräner und selbstsicherer fühlen.

Deine Selbstachtung wird mit jedem Mal ein bisschen wachsen und das hat ganz wunderbare Folgen für dein gesamtes Leben.

Sei nur nachsichtig mit dir, wenn es mal nicht klappt. Denn wenn wir eine neue Fähigkeit erlernen wollen, gehört das Hinfallen einfach mit dazu.

 

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Foto: Anita Gryz

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