In den letzten drei Wochen verlief mein Leben ganz und gar nicht so, wie ich es geplant hatte. Ganz im Gegenteil: Ich sah mich in einer Situation, die ich unter allen Umständen vermeiden wollte.

Ich durchlebte eine Phase, in der nichts so lief, wie ich es wollte und wo sich entscheidende Dinge plötzlich vollkommen meiner Kontrolle entzogen. Ich war dem, was geschah, völlig ausgeliefert und konnte nichts dagegen tun.

Viele Tage kämpfte ich innerlich gegen diese Veränderung an. Und gleichzeitig war ich zerrissen zwischen „Das darf so nicht sein“ und „Was kann ich nur tun, um es zu ändern“.

Tagelang fühlte ich mich grauenvoll, war verzweifelt und oft genug hatte ich das Gefühl, die Welt würde untergehen, wenn ich die Situation nicht wieder in den Griff bekäme.

Du fragst dich vielleicht, was da bei mir los was?

Ich erzähle es dir gerne.

 

Ein fieberhaftes Wochenende

 

Vor drei Wochen saß ich mit meinem Freund René beim Abendessen und wir redeten über die vielen Menschen, die durch die Veränderungen rund um Corona von Existenz- und Zukunftsängsten geplagt werden.

Ich spürte plötzlich, dass ich ihnen etwas anbieten wollte, das ihnen hilft, mit ihren Ängsten umzugehen. Also entschied ich, eine kostenlose Webinar-Reihe zu diesem Thema anzubieten.

Am nächsten Tag, ein Samstag, setzte ich mich gleich an den Schreibtisch, um das Ganze in die Wege zu leiten.

Ich arbeitete das ganze Wochenende fieberhaft, getrieben von Freude, aber auch von einem merkwürdigen Gedanken. Und zwar der, dass das erste Webinar schon eine Woche später stattfinden sollte, weil es sonst „zu spät“ wäre.

Du fragst dich, warum „zu spät“? Tja, das weiß ich selbst bis heute nicht. Ich merkte auch leider erst viel später, dass mich dieser merkwürdige Gedanke antrieb – als ich schon längst in meinem Arbeitswahn zielsicher die nächste Wand angesteuert und erfolgreich Bruchlandung erlitten hatte.

Erst nachdem ich gegen die Wand gefahren war, konnte ich erkennen, was mich da überhaupt angetrieben hatte.

 

Und plötzlich ging gar nichts mehr

 

An nur einem Wochenende machte ich alles fertig, damit Interessierte sich für das Webinar anmelden konnten, schickte einen Newsletter dazu raus und machte das Projekt in meinen Social Media-Kanäle bekannt.

Es war alles vorbereitet. Es ging jetzt nur noch darum, die Menschen, die sich dafür interessieren könnten, darauf aufmerksam zu machen. Eigentlich keine große Sache.

Doch Montags – nach diesem Mammut-Arbeitswochenende, vor dem ja schon eine ganze Woche Arbeiten gelegen hatte – war plötzlich die Luft raus. Ich wachte auf mit einem gigantischen inneren Widerstand gegen jegliche Form von Arbeiten.

Ich dachte mir: „Okay, das geht schon wieder vorbei, ich erledige nur das Nötigste und gönne mir ansonsten einen freien Tag. Morgen wird es schon wieder besser sein.“

Doch am nächsten Tag war es überhaupt nicht besser. Dieser enorme Widerwille hielt sich hartnäckig. Auch als ich mir den Dienstag noch mal – widerwillig – frei nahm, wurde es nicht besser.

Für Mittwoch hatte ich mir fest vorgenommen, weiterzuarbeiten, komme, was wolle. Ich setzte mich an den Schreibtisch, immer noch mit diesem massiven Widerstand in mir, und fing an zu arbeiten.

 

Nichts half – noch nicht einmal eine Pause im Grünen

 

Doch es ging einfach nicht. Egal, was ich anfing, ich bekam es einfach nicht hin. Ganz so, als ob ich versuchte, zu meditieren, während neben mir ein kleines Kind brüllt.

Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren und gleichzeitig war ich innerlich extrem angespannt. Ich war verzweifelt, weil ich doch arbeiten wollte, aber nicht konnte. Und weil ich nicht wusste, was ich tun konnte, um mich wieder in einen guten Arbeitsmodus zu bringen.

Als ich René mein Leid klagte, schickte er mich raus an den Main „zum Entspannen“ – doch ich konnte es einfach nicht genießen. Es war das schönste Wetter, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, ein wunderschöner Tag.

Doch die Schönheit drang einfach nicht zu mir durch. Sie erreichte meine Augen, doch mein zerrissenes und zerknirschtes Inneres blieb davon vollkommen unberührt.

 

Ein paar Tage frei – ob das helfen würde?

 

Zum Glück hatte ich an dem Tag einen Termin mit meiner wundervollen Coaching-Kollegin Eva-Maria. Ich konnte ihr mein Problem schildern und sie half mir dabei, erst mal zur Ruhe zu kommen und nicht weiter gegen meinen Zustand anzukämpfen. Die inneren Qualen ließen nach, doch eine wirkliche Lösung hatte ich noch nicht.

An diesem Tag entschied ich – da ich noch keine Anmeldungen für das Webinar hatte – es einfach abzusagen und mir den Rest der Woche frei zu geben. Ich sah ein, dass ich Zeit brauchte und dass es keinen Sinn machte, mir weiterhin Druck zu machen.

Und ich dachte, wenn ich eine Woche Pause hatte, würde es mir schon besser gehen und dann könnte ich wieder weiterarbeiten.

Tja, weit gefehlt. Denn am darauffolgenden Montag – nach einer Woche Zwangspause – hatte sich an meiner inneren Verfassung, diesem starken Widerstand gegen das Arbeiten, rein gar nichts geändert.

 

Warum Gewalt auch in diesem Fall keine Lösung war

 

Immer wieder hatte ich überlegt, ob ich mich nicht einfach zum Arbeiten zwingen und gewaltsam über diesen Widerstand hinweggehen sollte. Das hatte ich schon oft genug in meinem Leben getan und wusste, dass es geht, dass ich das kann.

Doch oft genug hatte ich auch die Erfahrung gemacht, dass dann irgendjemand darunter litt.

Entweder mein Umfeld, weil ich dann in diesen Phasen sehr aggressiv war, keinerlei Geduld hatte und mit allem und jedem unzufrieden war (und es auch nicht verhindern konnte, dass die anderen das zu spüren bekamen).

Oder ich selbst. Nein, eigentlich litt ich immer darunter. Weil es mir damit nicht gut ging, ich gegen mich selbst arbeitete, mir im Grunde in gewisser Weise selbst Gewalt antat.

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Ich zwang mich in diesen Phasen dazu, etwas zu tun, was ich eigentlich nicht tun wollte. Ich ging über meine Grenzen, obwohl ich eigentlich eine Pause brauchte. Ich war hart und unnachgiebig zu mir, wo ich einen freundlichen und fürsorglichen Umgang gebraucht hätte.

Früher zeigte mir dann mein Körper immer, dass ich zu weit gegangen war. Immer wieder hatte ich dadurch starke körperliche Beschwerden wie Sehnenscheidenentzündung. Oder ich litt unter migräneartigen Anfällen, die mich vollständig ausknockten und mich tage- oder sogar wochenlang ans Bett fesselten.

 

Was tun, wenn Zwang keine Lösung ist?

 

Ich hatte also inzwischen (zum Glück!) gelernt, dass ich mir selbst und anderen schade, wenn ich mich zwinge, über diesen starken inneren Widerstand hinwegzugehen.

Und dass es auch hinsichtlich Produktivität nicht gerade förderlich war. Denn die Auszeit, die ich zur Regeneration der körperlichen Auswirkungen dieser Gewaltakte benötigte, nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch als es eine rechtzeitige Pause von ein bis zwei Wochen getan hätte.

Die Möglichkeit, mich zu zwingen und über den Widerstand gewaltvoll hinweg zu gehen, fiel also flach. Auch wenn ein Teil in mir das gar nicht gut fand. (Verstehen und Fühlen sind eben manchmal nicht unbedingt das Gleiche).

Was sollte ich also tun?

Ich akzeptierte es wohl oder übel. Mal besser, mal schlechter. An manchen Tagen konnte ich die Auszeit sogar richtig genießen. Doch immer wieder kam das schlechte Gewissen, starke Selbstkritik lief in Endlosschleife in meinem Kopf und Panik machte sich breit.

Ja, manchmal kam ich überhaupt nicht damit klar, nicht zu arbeiten. Ich war innerlich zerrissen und zermürbt von den vielen negativen Gedanken, Ängsten und Sorgen, die diese unfreiwillige Auszeit in mir auslöste.

Immer wieder redete ich deshalb mit anderen über dieses Thema, sei es mit Freundinnen oder Kolleginnen. Aus jedem Gespräch nahm ich einen wertvollen Impuls mit. Und die Anspannung und Zerrissenheit ließ Stück für Stück nach – puh!

Am Ende der zweiten Woche meines unfreiwilligen Urlaubs wendete sich dann ganz plötzlich das Blatt.

 

Eine Veränderung, die von Innen kam

 

In mir tauchte der Gedanke auf, dass dieser temporäre Widerstand gegen das Arbeiten vielleicht gar kein Übel ist, das es auszurotten gilt. (So sah ich das die ganze Zeit, nur dass ich nicht wusste, wie ich es beseitigen sollte). Sondern dass es an sich etwas Positives sein und mir etwas Wertvolles bringen könnte, das ich jetzt noch nicht sehen konnte.

All die Gespräche, all das Reflektieren, Tagebuchschreiben und die innere Arbeit hatten mich an einen Punkt gebracht, an dem ich endlich Ja zu dem sagen konnte, was gerade geschah und was ich ohnehin nicht ändern konnte.

Ich konnte innerlich endlich das annehmen, wogegen ich mich die ganze Zeit gesträubt hatte und was ich zutiefst abgelehnt hatte.

Ich konnte endlich aus ganzem Herzen Ja sagen und meinen Frieden damit schließen.

 

Kaum hatte ich innerlich Ja gesagt, änderte sich alles

 

Jetzt, nach zwei Wochen, konnte ich meine freie Zeit auch endlich so richtig genießen – ohne Angst oder schlechtes Gewissen. Ich war im Vertrauen und erfüllt von Gelassenheit.

Und welch Wunder: Schon nach wenigen Tagen spürte ich, wie die Lust aufs Arbeiten und die Freude an meinen Projekten wieder zurückkehrte. Ganz langsam und leise. Aber beständig.

Es war verrückt, aber dieses innere Ja, das ehrliche Annehmen und Akzeptieren dessen, was ich nicht ändern konnte, hatte alles geändert.

Nach zwei Wochen Zwangsurlaub machte ich mich wieder ran ans Arbeiten. Doch dieses Mal in einem vollkommen anderen Modus als vor der Pause.

Denn während dieser zwei Wochen hatte ich viel nachgedacht. Ich hatte mich intensiv mit diesem starken Druck auseinandergesetzt, den ich mir selbst immer gemacht hatte und der letztlich zu diesem enormen inneren Widerstand geführt hatte.

Ich hatte einige der Quellen dieses Drucks ausgemacht und bearbeitet. Und ich hatte mir auch viele Gedanken darüber gemacht, wie ich meinen Arbeitsalltag neu gestalten konnte, sodass die Gefahr möglichst gering war, dass ich mich wieder überarbeitete.

In dieser Zeit des Ringens, in der ich diese Auszeit so schwer annehmen konnte, entstand in mir so viel Wertvolles, das mir mein künftiges Arbeitsleben so viel leichter und schöner machen wird. Und sicherlich auch viel produktiver.

 

Eine wichtige Erkenntnis

 

Es ist keine gänzlich neue Erkenntnis, doch habe ich sie dieses Mal so deutlich am eigenen Leib erfahren wie noch nie zuvor:

Das, was wir am allerwenigsten wollen und was wir am stärksten ablehnen, kann für uns das größte Geschenk bereit halten. Es kann uns so viel Schönes und Wertvolles bringen, das wir vielleicht nur auf diesem unliebsamen Weg bekommen können.

Ich brauchte diese Auszeit, um mir über vieles klar zu werden und Erkenntnisse zu gewinnen, die meine Welt in einem sehr positiven Sinne auf den Kopf gestellt haben.

Freiwillig hätte ich mir diese Auszeit nie gegönnt. Und deshalb war es wichtig, dass das Leben bzw. mein innerer Widerwille mich dazu gezwungen haben.

Ich bin sehr dankbar dafür und hoffe, dass ich das nächste Mal, wenn sich wieder etwas ereignet, das ich überhaupt nicht gut finde, aber genau so wenig ändern kann, dass ich es dann schneller annehmen und akzeptieren kann.

Es wird mir auf jeden Fall viel unnötigen Ärger ersparen.

 

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Foto: Rodolfo Sanches Carvalho

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