Seit ich denken kann war es für mich eine große Herausforderung, mich selbst so anzunehmen wie ich bin – vor allem dann, wenn ich erschöpft oder krank war und deshalb nicht arbeiten konnte.
 
Eine Herausforderung, der ich mich immer wieder gestellt habe. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Doch im Moment habe ich das Gefühl, dass ich auf einer ganz neuen Ebene angekommen bin und dass sich da in den letzten Wochen so richtig viel in mir getan und bewegt hat.
 
In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir, was da genau passiert ist und wo ich gerade angekommen bin.
 

Wenn die Dinge ganz anders kommen als geplant

 

Am letzten Mittwoch wollte ich eigentlich an meinem neuen Gruppencoaching-Programm weiterarbeiten. Doch dann bin ich morgens aufgewacht und es ging mir nicht gut. Ich spürte gleich nach dem Wachwerden diese Traurigkeit in mir.
 
Mein Freund René und ich hatten am Tag vorher kurz vor dem Einschlafen eine kleinere Auseinandersetzung, die wir vor dem Schlafen nicht mehr klären konnten. Es war keine große Sache, aber es hat mich enorm getriggert.
 
Ich kümmerte mich allerdings bevor ich einschlief nicht mehr um die Gefühle, die da hoch kamen und schlief mit ihnen ein. Und so erwachte ich am nächsten Tag mit einer ordentlichen Portion Traurigkeit in mir.
 
Auch wenn René und ich das Missverständnis am nächsten Morgen schnell aus der Welt räumen konnten und ich vom Kopf her gar keinen Grund mehr hatte, traurig zu sein, blieb die Traurigkeit in mir. Denn manchmal löst sich ein Gefühl nicht gleich auf, nur weil die Ursache behoben ist. Zumindest ist es bei mir so.
 
Es gab keine Gedanken, die dieses Gefühl aktiv anfeuerten und am Leben erhielten. Und ich wusste, dass alles gut ist. Doch das Gefühl der Traurigkeit blieb bestehen.
 

Eine Planänderung war nötig

 

Ich startete also extrem dünnhäutig, sensibel, verletzlich und traurig in diesen Mittwoch, an dem ich doch eigentlich an meinem neuen Gruppencoaching-Projekt abreiten wollte. Ich würde nicht sagen, dass es mir schlecht ging. Aber ich war in dieser Verfassung definitiv nicht in der Lage, das zu tun, was ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte.
 
Ich spürte klar und deutlich, dass es mir nicht gelingen würde, Entscheidungen zu treffen, Pläne zu schmieden oder kreativ zu arbeiten. Mein Kopf funktionierte nicht richtig und ich war erfüllt von einer Traurigkeit, die mich gehörig bremste und mir meine Energie nahm.
 
Ich durfte also meinen Plan, den ich mir für diesen Arbeitstag gemacht hatte, wohl oder übel loslassen und habe mich statt dessen nur um mich gekümmert und geschaut, dass ich so angenehm wie möglich durch diese Phase der Traurigkeit kam.
 

Selbstkritik, Vorwürfe und Angst – wie ich früher mit mir umgegangen bin

 

Früher hätte ich mich dafür zerfleischt, dass ich an diesem Tag nicht arbeiten konnte. Ich hätte mir ohne Ende Selbstvorwürfe gemacht, hätte mich selbst unter Druck gesetzt und gestresst und ich hätte mich neben der Traurigkeit auch noch mit Angst herumschlagen dürfen.
 
Da war immer dieses Gefühl, mich anstrengen und etwas leisten zu müssen, um wertvoll zu sein. Und wenn ich mal so wie gestern nicht in der Lage war, die Leistung zu erbringen, die ich von mir erwartete, dann fühlte ich mich grauenvoll. Wertlos und falsch. Ja, denn gute und richtige Menschen sind leistungsfähig und stark (so mein Glaubenssatz). Menschen, die aufgrund ihrer Emotionalität und Sensibilität nicht so leistungsfähig sind wie die anderen, sind schlichtweg falsch. (Unfassbar, was man so an unbewussten Glaubenssätzen mit sich herumschleppt!)
 
Hinzu kam noch eine Angst, dass, wenn ich mich nicht anstrenge und fleißig bin, etwas Schlimmes passieren würde. Manchmal konnte ich gar nicht so genau sagen, was dieses “Schlimme” sein würde. Aber nach meinem Gefühl stand immer fest, dass es ganz furchtbar sein würde. Es war eine diffuse Angst, die große Macht über mich hatte.
 
Ich bin nun 34 Jahre alt und seit meiner Jugend kenne ich diese Gedanken und Gefühle. Je mehr ich mein Leben selbst in die Hand nahm, desto stärker wurden sie. Und in den letzten Jahren fanden sie dann durch meine Selbstständigkeit ihren Höhepunkt.
 
Denn als Selbstständige habe ich es ja eigentlich vollkommen selbst in der Hand, zu entscheiden, wann und wie und wie viel ich arbeite. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und muss es nur vor mir selbst rechtfertigen, wenn ich mal eine Pause machen will. Doch im Laufe meiner Selbstständigkeit merkte ich schnell, dass ich die strengste Chefin bin, die ich mir hätte vorstellen können.
 

Und plötzlich war alles anders

 

Deshalb war das, was am Mittwoch passierte – nach außen hin so leise und unscheinbar – für mich eine Revolution, ein Wunder, ein epochales Ereignis.
 
Denn ich wachte auf, stellte fest, dass ich voraussichtlich nicht arbeiten würde und – nichts! Keine Selbstvorwürfe, keine Ängste, kein Druck und Stress, den ich mir selbst machte. Nichts.
 
Ich machte mir noch nicht einmal Gedanken darüber. Es war einfach wie es war und ich war absolut im Frieden damit. Und ich musste für diesen Frieden nichts tun. Keine Übungen, um mit belastenden Gedanken und Gefühlen umzugehen, weil überhaupt erst gar keine hoch kamen.
 
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Es ging mir einfach gut damit, dass ich nicht arbeiten konnte.
 
Ich weiß nicht, ob du dieses Wunder, das sich da in mir abspielte, nachvollziehen kannst. Wahrscheinlich nur, wenn du selbst den Glaubenssatz in dir trägst, dass du nur dann wertvoll und richtig bist, wenn du fleißig bist, dich anstrengst und viel arbeitest. Und wenn du die Kämpfe, die mit diesem Glaubenssatz einhergehen, kennst.
 
Jemand, der damit noch nie oder nur wenig zu tun hatte, kann wahrscheinlich gar nicht nachempfinden, wie gigantisch diese Veränderung ist, die sich da eingestellt hatte. Wie fassungslos ich angesichts dessen bin. Und vor allem, wie dankbar.
 
Wenn man Jahrzehnte lang einen Kampf führt, der dann plötzlich einfach aufhört, dann ist das wirklich ein Wunder.
 

Was diesem Wunder voraus ging

 

Ja, ich muss dazu sagen, dass dieses Wunder natürlich nicht über Nacht kam.
 
Denn ich habe mich über Jahre hinweg immer wieder aktiv mit diesem Muster auseinandergesetzt. Habe an den Gedanken und Gefühlen gearbeitet. Habe genau hingeschaut und hingespürt und jedes Mal ein bisschen mehr geheilt.
 
Es war ein jahrelanger Prozess, diese schmerzhaften Gedanken und Gefühle in mir aufzulösen. Ich habe sehr viel Zeit, Energie, Aufmerksamkeit und Liebe investiert. Und das, was ich jetzt gerade erlebe, ist die Frucht dieser inneren Arbeit.
 
Ja, ich habe viel dafür getan, diesen Punkt zu erreichen. Doch jetzt, wo ich wirklich da bin, kann ich es kaum glauben. Und ich bin so, so dankbar dafür.
Warum erzähle ich dir all das?
 
Ich möchte, dass du weißt, dass sich die Dinge ändern können. Gefühle und Gedanken, die dich schon ganz lange immer wieder quälen, können sich ändern und sogar auflösen. Du kannst dich von ihnen befreien. Du kannst ein Leben ohne sie führen. Ganz egal, wie lange sie dich schon begleiten.
 

Jeder Weg ist anders

 

Was würde ich antworten, wenn mich jemand danach fragen würde, wie ich zu dieser Veränderung gekommen bin? Was mir am meisten dabei geholfen hat und was ich anderen empfehlen würde, die mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben?
 
Ich muss sagen, ich weiß es nicht.
 
Dieser Weg war so lange. Und ich habe so viele unterschiedliche Dinge dafür getan, um dieses uralten Muster an Gedanken und Gefühlen in mir aufzulösen. Wahrscheinlich könnte ich ein ganzes Buch darüber schreiben.
 
Natürlich gibt es einige Methoden, die ich gerne und oft anwende, um mich mit schmerzhaften Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Und diese Methoden vermittle ich auch meinen Klienten.
 
Doch ich glaube, dass der Weg, wie wir uns von schmerzhaften gedanklichen Mustern befreien können, für jeden ein anderer ist. Wir können uns vieles von anderen abschauen so wie ich es auch getan habe. Wir können von anderen lernen und uns zeigen lassen, wie sie ihren Weg gegangen sind.
 
Doch am Ende dürfen wir unseren ganz eigenen Weg finden und gehen. Einen Weg, den niemand zuvor gegangen ist. Der einzig und alleine für uns gedacht ist. Und den auch nur wir selbst erkennen und beschreiten können.
 
Hab Vertrauen in dich und das Leben. Du wirst deinen Weg finden. Stück für Stück. Schritt für Schritt.
 
Gehe einfach weiter. Der Rest wird sich fügen.
 
Alles Liebe 🧡
Deine Claudia

 

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Foto: Andre Benz

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