Deine Ziele erreichen: Wenn aus dem Müssen ein Wollen wird

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Ich weiß, was ich will und wo ich hin will. Ich kenne meine Wünsche bezüglich meiner beruflichen Zukunft ziemlich genau. Ich möchte als Coach und Trainerin andere Menschen dabei unterstützen, ein besseres und glücklicheres Leben zu führen und ihre eigenen Träume zu verwirklichen.

Wenn ich auf die Suche nach nützlichen Informationen und Tipps im Internet gehe, wie ich mich am besten selbstständig machen bzw. mein eigenes Business voran bringen kann, werde ich schier erschlagen von der Hülle und Fülle des Angebotes.

Es gibt tausende Online-Coaches und Trainer, die ganz genau wissen, wie man erfolgreich wird, im Null-Komma-Nichts ein Vermögen macht und über Nacht eine Million begeisterter Kunden an Land zieht.

Ich habe mich früher oft davon anstecken lassen und vieles ausprobiert, bis ich gemerkt habe: Das alles funktioniert nicht für mich! Das bin nicht ich!

Ich bin niemand, der jeden Tag zehn Stunden in sein Business stecken kann oder will. Ich brauche Auszeiten zum Erholen und genug Zeit für mich und für die Dinge, die mir neben meinem Business ebenfalls am Herzen liegen.

Ich bin auch niemand, der anderen auf Teufel komm raus etwas verkaufen will. Ich will mir kein schickes Online-Produkt ausdenken, nur um damit schnell viel Geld zu verdienen. Ich möchte das Leben anderer durch meine Arbeit wirklich bereichern und ihnen helfen, glücklicher und zufriedener zu sein. Das ist der wahre Grund, weshalb ich als Coach arbeiten will.

Und in letzter Zeit spüre ich immer deutlicher: Ich will auch nicht erfolgreich sein!

Der wesentliche Unterschied zwischen Müssen und Wollen


Das stimmt natürlich nicht ganz. Ich weiß, wo ich beruflich hin will und wie mein Business in ein paar Jahren aussehen soll. Und dazu gehört auch, dass ich viele Menschen erreiche und ihr Leben mit meiner Arbeit bereichere. Das ist für mich Erfolg. Also ja, ich will erfolgreich sein. Eben auf meine Art und Weise.

Was ich aber nicht will, ist erfolgreich sein müssen.

Und das ist ein großer Unterschied. Im ersten Fall geht es um ein inneres Bedürfnis, um einen Wunsch, der mich antreibt und der mir Energie gibt. Es geht um ein Wollen, um eine Kraft, die von innen kommt und mich motiviert.

Im zweiten Fall ist es genau das Gegenteil. Es ist ein Müssen, das von außen kommt, das mich stresst, lähmt, mir Energie raubt und mich ausbremst.

Für manch einen ist solch ein Müssen vielleicht eine phantastische Motivation. Für mich jedenfalls nicht. Ich spüre, wie sich alles in mir sträubt, wenn wieder einmal dieses „Ich muss“ in mir auftaucht.

Ich muss erfolgreich sein.

Ich muss viel Geld verdienen.

Von wegen! Natürlich will ich viel Geld verdienen, wer will das nicht? Ich muss nicht reich sein, doch einen gewissen Lebensstandard, in dem ich mir die Dinge leisten kann, die mir wichtig sind und die mein Wohlbefinden steigern, wünsche ich mir schon.

Das Problem ist hier wieder das Müssen. Und das schlägt mir aus allen Ecken und Enden entgegen.

So viele Autoren, die einen Weg gefunden haben, propagieren ihn als DEN richtigen und dass ich dies und jenes unbedingt tun muss, wenn ich so erfolgreich sein will wie sie.

Nun gut, im Grunde gehöre ich auch zu diesen Autoren. Auch ich schreibe über meine eigenen Erfahrungen und die Erfolge, die ich damit erziele und meine dann, dass du, lieber Leser, liebe Leserin, das ebenfalls genau so tun solltest.

Und das zeigt mir, wo das Problem eigentlich liegt.

Die verinnerlichten Überzeugungen


Es sind nicht die vielen erfolgreichen Coaches und Autoren, die mir sagen, dass ich etwas tun oder sein muss. Ich bin es, die mir selbst sagt, dass ich erfolgreich sein und viel Geld verdienen muss. Es sind Sätze, die mir meine Familie mitgegeben hat, denn dort zählte beruflicher und finanzieller Erfolg sehr viel. Ich muss sie so oft gehört haben, dass sie mir in Fleisch und Blut übergegangen sind und zu einem Teil von mir wurden.

Dieses Phänomen kennen wahrscheinlich viele. Es ist ein gesellschaftliches. Denn wer nicht viel verdient und beruflich nichts vorzuweisen hat, der hat es in unserer Gesellschaft schlichtweg nicht geschafft. Er hat auf ganzer Linie versagt.

Ich bin nun dreißig Jahre alt. Ich verdiene mein Geld mit Kinderbetreuung und als Verkäuferin in einem Weinladen. Mein Business als Coach und Trainerin befindet sich noch in den Kinderschuhen und wirft bislang noch kein Geld ab. Ich lebe in einer WG und habe kaum Erspartes auf dem Konto. Eine traurige Bilanz.

Aber stimmt das? Ist das wirklich traurig? Macht mein Leben mich traurig?

Nein, das tut es nicht. Denn ich mache diese Jobs sehr gerne, auch wenn ich weiß, dass darin nicht meine berufliche Zukunft liegt. Und ich bin dankbar, in meiner WG zu leben, weil unser Zusammenleben sehr bereichernd ist und ich dadurch an jedem Tag etwas über mich selbst lernen kann.

Ja, ich hätte gerne etwas mehr Geld zur Verfügung. Und ja, ich will als Coach und Trainerin arbeiten und in Zukunft mein Geld damit verdienen. Das bedeutet aber nicht, dass ich mit meinem derzeitigen Leben nicht zufrieden bin, dass es mich nicht glücklich macht und ich ständig deprimiert bin über das, was ich noch nicht erreicht habe.

Nur wer seinem Wollen folgt, kann seine eigenen Ziele erreichen


Träume und Ziele, die von innen kommen und mir zeigen, wo es für mich hingehen könnte, sind wichtig und tun gut. Doch wenn sie dazu führen, dass ich nicht mehr schätzen und lieben kann, was ich jetzt bereits habe, dann verfehlen sie ihr eigentliches Ziel. Und erst recht, wenn aus dem Wollen und Wünschen ein Müssen wird. Dann wird das, was mich ursprünglich angetrieben und mir Kraft gegeben hat, meine Herausforderungen zu meistern, zum Energiekiller und mein innerer Motor säuft kläglich ab.

Ich glaube, dass wir erfolgreich sein und unsere Ziele erreichen können, wenn wir das Müssen in uns entlarven und immer mehr dem Wollen in uns folgen. Es kann sein, dass wir dadurch erkennen, dass unsere Ziele gar nicht unseren eigenen Bedürfnissen entsprechen und auch nicht wirklich zu uns passen. Dass es im Grunde nur Ziele sind, die wir irgendwann von außen übernommen habe.

Doch dadurch können wir immer mehr die Wünsche und Ziele erkennen, die tatsächlich unserem Wesen und unserer Natur entsprechen. Und wenn wir diesen folgen, aus einem großen Ja heraus, das tief von innen kommt und immer ein Wollen und nie ein Müssen ist, dann steht dem erreichen unserer Ziele nichts mehr im Wege.

Foto: Giorgio Parravicini

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2 Kommentare

  1. Toll geschrieben! Du sprichst mir (mal wieder ;-)) aus der Seele. Ich baue auch mein Leben um, weil ich es will und nicht weil ich es muss. Das Wort „muss“ löst bei mir immer öfter Beklemmungen aus. Ich weiß nicht ob es daran liegt dass ich bewusster werde, oder weil ich mehr für mich und meine Bedürfnisse einstehe. Aber müssen möchte ich immer weniger…
    Liebe Grüße

    • Liebe Myway66,
      ach, das zu lesen ist so schön! Es ist schön, zu wissen, dass da noch jemand auf diesem Weg unterwegs ist. 🙂 Und ich danke dir sehr für dein wundervolles Feedback!
      Ja, diese Beklemmungen… Einerseits fühlen sie sich nicht schön an und manchmal braucht es seine Zeit, bis wir imstande sind, ihnen nachzugehen. Aber dafür zeigen sie uns auch deutlich die Richtung an, in der wir das Leben finden, das wesentlich besser zu uns passt als jenes, das diese Beklemmungen überhaupt erst in uns auslöst.
      Und ich glaube, dass diese Beklemmungen schon die ganze Zeit da sind, dass wir sie nur nicht wahrnehmen, weil sie uns bislang nicht richtig erschienen. Und wenn wir dann anfangen, auf uns zu hören und bewusster zu leben, spüren wir die Abneigung gegen das Alte natürlich immer deutlicher. Die Wahrnehmung wird immer feiner und sensibler.
      Ich danke dir für das Teilen deines Erlebens!
      Und für deinen Weg wünsche ich dir alles Gute!

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