Wie du zum glücklichsten Menschen auf der Welt wirst, auch wenn dein Leben noch nicht perfekt ist

obdachlose


Wenn ich durch die Straßen Frankfurts laufe, sehe ich überall die provisorischen Schlafstätten Obdachloser, unter Brücken, in Hauseingängen, an überdachten Hauswänden.

Diese Menschen haben in der kalten Jahreszeit, in der ich schon nach einer Stunde im Freien durchgefroren bin, noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, geschweige denn eine warme Dusche oder ein gemütliches Bett, in dem sie sich ausruhen können. Sie entbehren so vieles, das für mich selbstverständlich ist, das ich aber oft noch nicht einmal mehr bewusst wahrnehme.

Wenn ich an so einem Schlafplatz vorbeikomme und mir ins Bewusstsein rufe, wie dieser Mensch lebt, dann überkommt mich oft eine tiefe Traurigkeit. Niemand sollte in so einer reichen Stadt solch ein Leben führen müssen.

Doch diese Menschen führen mir auch meinen eigenen immensen Reichtum vor Augen. Sie zeigen mir die vielen Geschenke, die mir das Leben tagein, tagaus macht. Durch eine beheizte Wohnung. Durch ein Zimmer, das mir alleine gehört und in dem ich mich jederzeit zurückziehen kann, wenn mir danach ist. Durch einen gefüllten Kühlschrank und eine finanzielle Situation, die mir garantiert, niemals hungern zu müssen. Und durch ein sauberes, warmes und gemütliches Bett.

All das ist purer Luxus. Unfassbarer Reichtum. Und den meisten von uns ist das überhaupt nicht bewusst.

Die Geschichten über das Brauchen


Ich selbst habe es lange Zeit vergessen und nur auf das geschaut, was mir angeblich noch fehlt. Wenn ich anfangen würde, aufzuzählen, was ich alles noch nicht habe, aber unbedingt brauche, käme sicher eine lange Liste dabei heraus.

Doch vor einer Weile fing etwas in meinem Kopf an, sich zu bewegen. Ich habe mich gefragt, ob es denn wirklich wahr ist, dass ich all das unbedingt brauche.

Mir dämmerte allmählich, dass das nur Geschichten sind, die ich mir erzähle. Sätze, die ich mir unbewusst immer wieder sage wie „Ich habe nicht genug Kleider“. Wenn man sich so etwas oft genug sagt, glaubt man es auch irgendwann.

Aber das stimmt natürlich nicht. Ich habe genug Kleider. Vielleicht nicht viele im Verhältnis zu manch anderen. Aber wenn ich an diese traurigen Schlafplätze denke, kommt es mir plötzlich enorm viel vor, was sich da alles in meinem Kleiderschrank angesammelt hat.

Nichts, das wir haben, ist selbstverständlich


Wir schauen so oft nur auf das, was wir noch nicht haben, was uns angeblich noch zu unserem Glück fehlt. Doch letztlich macht diese Perspektive nur unglücklich.

Wenn wir anfangen, auf das zu schauen, was wir bereits haben, kommen wir in einen ganz anderen inneren Modus. Wir nehmen wahr, was wir im Alltag für gewöhnlich übersehen oder schlichtweg als selbstverständlich erachten. Aber das ist es nicht. Nichts, aber auch gar nichts ist selbstverständlich. Denn alles, was wir haben, wurde uns geschenkt.

Unser Körper, unsere Gesundheit, unser Wissen und unsere Fähigkeiten, die uns ein Einkommen ermöglichen, unsere Beziehungen und jeder einzige Tag unseres Lebens. All das wurde uns geschenkt. Und wir können es in jedem Moment verlieren.

Armut kann unsere Augen öffnen


Ich weiß nicht, warum Menschen obdachlos werden. Und ich habe keine Ahnung, warum sie es bleiben. Ich kenne keinen Obdachlosen persönlich, deshalb kann ich mir auch kein Urteil über sie erlauben.

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die wenigsten von ihnen glücklich über ihre Situation sind. Und dass sie vieles dafür geben würden, meinen alltäglichen Reichtum auch nur für einen Tag zu genießen.

Auch wenn mich das Wissen um diese Armut bedrückt, bin ich doch dankbar dafür, dass sie in Frankfurt an so vielen Stellen sichtbar wird. Denn sie erinnert mich an all das, was mir mein Leben so angenehm, leicht und komfortabel macht. An all diesen Luxus, der für mich zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Ich habe es mir angewöhnt, vor dem Essen kurz innezuhalten und mich für das zu bedanken, was mir mein Leben im Moment leichter und angenehmer macht. Oder für das Ausbleiben von Unangenehmem wie körperliche Schmerzen oder Krankheit.

Meistens danke ich dafür, dass ich etwas zu essen habe, dass ich imstande bin, es mir selbst zuzubereiten und ohne fremde Hilfe zu essen. Denn vielen Menschen ist das nicht möglich.

Dieser kurze Moment des Dankens dauert vielleicht nur ein paar Sekunden, aber er macht mich zu einem entspannteren, zufriedeneren und letztlich zu einem glücklicheren Menschen.

Wir alle sind so unendlich reich. Doch der größte Reichtum nützt uns nichts, wenn wir ihn nicht bewusst wahrnehmen.

Die Dankbarkeit zur Gewohnheit machen


Es gibt eine kleine Übung, die uns dabei hilft, ein Bewusstsein für unseren Reichtum zu entwickeln. Sie ermöglicht uns, auch an schlechten Tagen voll Ärger, Stress und Problemen den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf all das zu lenken, das bereits gut ist und das heute vollkommen unbemerkt für unser Wohlergehen gesorgt hat.

Diese Übung dauert noch nicht einmal zehn Minuten, doch sie wird dich, mit etwas Übung und wenn du sie regelmäßig machst, zum glücklichsten Menschen auf der Welt machen.

Alles, was du dafür brauchst, ist ein Blatt Papier, einen Stift und ein paar Minuten Ruhe. Und dann schreibe mindestens zehn Dinge auf, für die du heute dankbar bist.

Das kann deine körperliche Verfassung sein, die Beziehung zu einem bestimmten Menschen, die funktionierende Heizung, das leckere Frühstück oder die stabile Internetverbindung. Es gibt so vieles, wofür wir dankbar sein können. Doch es braucht etwas Übung, um es wieder bewusst wahrzunehmen.

Wenn es dir beim ersten Mal schwer fällt, zehn Dinge zu benennen, dann gehe in Gedanken deinen Tag durch. Was hat dir alles ermöglicht, diesen Tag so zu gestalten, wie er gelaufen ist? Was trägt im positiven Sinne dazu bei, dass dein Leben heute so ist, wie es ist?

Es ist gut, wenn du diese Übung abends machst, weil sie dir so einen entspannten und zufriedenen Abschluss des Tages ermöglicht. Doch auch morgens ist sie sehr wertvoll, weil du so viel gelassener und freudvoller in den Tag startest.

Das Geschenk der Dankbarkeit


Je öfter du diese kleine Dankbarkeitsübung machst, umso stärker entfaltet sie ihre Wirkung. Dann ist vielleicht immer noch nicht alles in deinem Leben so, wie du es gerne hättest. Doch das, was noch nicht gut ist, wiegt längst nicht mehr so schwer und es fällt dir viel leichter, die kleinen Geschenke des Lebens bewusst zu genießen.

Letztlich machst du dir durch diese Momente der Dankbarkeit ein großes Geschenk. Denn sie kosten fast nichts, bringen dir aber enorm viel.

Denn in all unserem Bemühen und Haben-Wollen, geht es da nicht immer in letzter Konsequenz nur darum, glücklich und zufrieden zu sein?

Wenn du magst, dann nimm die Abkürzung durch die Dankbarkeitsübung und sei es einfach jetzt schon.


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Foto: Saeed Anathema

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